Jeder, der sich mit dem Thema der Zucht bei seinem Hund beschäftigt, macht sich auch seine Gedanken dazu. Generell sollte man dabei versuchen, weitestgehend nüchtern und objektiv zu sein. Etwas beschönigen würde nur bedeuten, dass man die Augen vor der Realität verschließt.

 

Doch warum schreibe ich das….?

 

Als ich mich für diese Rasse entschied und Finja einzog, spielte ich keineswegs mit dem Gedanken, dass Zucht einmal ein Thema für uns wäre. Dennoch hatte ich Ziele. Ich bin jemand, der gerne Dinge angeht und dazu lernt. Und so kam es, dass ich bisher mit Finja schon diverse Prüfungen ablegte und auch die eine oder andere Ausstellung besuchte. Natürlich war ich immer stolz auf unsere meist schönen Ergebnisse, aber es gibt einem auch ein gutes Gefühl, wenn man andere überraschen kann, die einen vorher noch argwöhnisch anschauten und auch das gelang uns immer mal. Nebenher gingen wir natürlich auch zum Röntgen. Auch hier kam heraus, dass Finja völlig gesunde Gelenke hat, was natürlich auch für die weitere sportliche Planung ein sehr beruhigendes Gefühl ist. Nachdem sie sowohl beim Wesenstest als auch beim Formwert überzeugte und dann auch noch die Augen gesund waren kam dann doch immer wieder dieser Gedanke „Zucht – ja oder nein?“ Auch hier muss man sich viele Gedanken darüber machen. Denn was nützt es einen Hund zu haben, der alle Voraussetzungen für die Zucht erfüllt, aber man selbst nicht… Habe ich den Platz, die Zeit, die Kraft, den Mut, genügend Wissen usw., um einen Wurf so optimal wie möglich groß zu ziehen? Nachdem mich dann schlussendlich auch der Mut gepackt hatte, war klar: Ja, ich möchte züchten.

 

Und was ist nun mein Ziel in der Zucht?

 

Oben schrieb ich ja, dass etwas zu beschönigen nicht der Sinn des Ganzen sein sollte. Deshalb habe ich mir überlegt, welche bei meiner Hündin vorhandenen Eigenschaften und äußerlichen Merkmale ich gerne bei den Welpen erhalten und welche ich verbessern möchte. Da dies mit den Hunden genauso ist wie bei uns Menschen nämlich, dass es zum einen nicht den perfekten Hund gibt und zum anderen Geschmäcker und Prioritäten natürlich verschieden sind, muss man einfach für sich selbst schauen, welche Punkte bei der Deckrüdensuche unverzichtbar sind und worauf man ggf. weniger Wert legt – vor allem in Bezug auf die bereits vorhandenen positiven Eigenschaften der eigenen Hündin.

Bei mir steht bei der Planung der Verpaarung das Wesen ganz vorne an. Das bedeutet, dass es mir am Herzen liegt, Hunde weiterzugeben, die im Alltag frei und entspannt ihre Menschen begleiten können. Bei meiner Finja liebe ich beispielsweise ihre extreme Freundlichkeit zu Menschen und obwohl wir keine eigenen Kinder haben, ist sie ein Hund der eine unglaubliche feine Ader gegenüber Kindern hat. Das ist definitiv eine Eigenschaft, die ich erhalten möchte und deshalb achte ich da auch bei der Rüdenauswahl sehr darauf. Ebenso ist es für mich erstrebenswert, dass trotz des hohen Arbeitswillen, die Hunde noch in der Lage sind abzuschalten. Meiner Meinung nach ist es so, dass sich ein wesensfester Hund, auch positiv bei der Arbeit (egal ob im Dummy, im jagdlichen Bereich, Obedience, Agility, o.Ä.) verhält. Im gleichen Zusammenhang zum Wesen steht für mich das sogenannte „will to please“, also die ständige Bereitschaft seinem Menschen zu gefallen und es ihm recht zu machen.

Auch die Gesundheit ist für mich sehr wichtig. Hierbei spielt wieder die Transparenz und eben auch die Ehrlichkeit von jedem einzelnen zu sich selbst eine wichtige Rolle. Das bedeutet aber neben der eigenen Recherche auch, dass man sich auch auf andere verlassen muss. Im DRC e.V. haben wir schon einige optimale Bedingungen. In der öffentlichen Datenbank kann sich jeder Auskünfte über die Gelenkgesundheit einholen. Aber was ist beispielsweise mit Allergien, Unverträglichkeiten, Krebs oder auch Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion um nur ein paar Dinge aufzuzählen? Hier braucht es eine gegenseitige Offenheit und auch den Mut solche Themen anzusprechen. Letztendlich sollte es ja auch das Ziel sein, Welpen abzugeben, an deren Gesundheit sich die zukünftigen Adoptiveltern viele Jahre bis ins hohe Hundealter erfreuen können. Natürlich kann man als Züchter niemandem versprechen, dass seine Welpen niemals etwas Bestimmtes haben werden, aber man kann sein Bestes dazu tun.

Sowohl das Wesen als auch die Gesundheit spielen eine wichtige Rolle für die Arbeit mit dem Hund. Deshalb stehen diese beiden Punkte bei mir in der Priorität vor den Arbeitsanlagen. Wenn der Hund ein stabiles Wesen hat und dazu noch gesund ist, kann der Hund auch seine vererbten Arbeitsanlagen voll entfalten. Hierbei geht es vor allem darum, was der Hund von sich aus bereits mitbringt, ohne dass es über einen großen Zeitraum antrainiert werden musste. Wie beim Punkt Wesen möchte ich auch bei den Arbeitsanlagen noch mal den „will to please“ erwähnen, der eine optimale Basis für die gemeinsame Arbeit darstellt. Weiterhin sind hier die Ausdauer und Führbarkeit auch wichtige Voraussetzungen. Für mich gehören aber beim Toller neben diesen primären Punkten auch Eigenschaften wie Flinkheit, eine gute Nase, Freude am schwimmen bzw. eine gute Wasserannahme, aber auch eine gewisse Verspieltheit dazu.

Und wenn der Wurf außerdem auch noch gut aussieht und dem FCI-Rassestandard entspricht, dann ist mein Zuchtziel erreicht.