Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever ist nicht nur der kleinste der sechs Retrieverrassen, sondern auch der mit dem längsten Namen. Oft wird man, wenn man nach der Rasse gefragt wird, nur mit großen Augen angeschaut. Deshalb kann man auch gerne einfach nur „Toller“ sagen.

Ja und toll sind diese kleinen intelligenten roten Hunde durchaus! Aber fangen wir mal ganz vorn an, denn der Name verrät schon so einiges über unsere tollen Toller.

 

Nova Scotia, zu deutsch Neuschottland, beschreibt das Ursprungsland der Toller. Es handelt sich um eine Provinz in Kanada, die ursprünglich einmal Acadia hieß. Die genaue Geschichte der Toller ist aber bis heute nicht eindeutig geklärt und beruht auf einigen Mythen und Vermutungen. Darin werden immer wieder kleine rote fuchsähnliche Hunde erwähnt, die mit den Ureinwohnern Acadias auf die Wasservogeljagd gingen und dabei die Vögel in Ufernähe lockten.

Am 21.03.1945 wurde der Toller als anerkannte Rasse in das Register des Canadian Kennel Clubs (CKC) aufgenommen. Die ersten Stammbäume gab es jedoch erst Ende der 50er/ Anfang der 60er Jahre.

1981 wurde die Rasse durch den FCI anerkannt und 1982 kamen die ersten Toller nach Europa (Dänemark). 1990 wurde der erste Toller aus den Niederlanden nach Deutschland importiert und 1996 fiel der erste deutsche Tollerwurf.

 

Duck Tolling bedeutet so viel wie „Enten anlocken“ und macht den Toller zu etwas ganz Besonderem unter den Retrievern. Denn alle 6 Retrieverrassen sind zur Arbeit nach dem Schuss gezüchtet worden – dem „retrieve“, also Apportieren. Der Toller ist zusätzlich noch ein Spezialist für die Wasservogeljagd, da seine Aufgabe ebenfalls darin besteht, die Wasservögel in Reichweite der Flinte zu locken. Er ist somit einer der zwei einzigen anerkannten und registrierten Lockhunderassen.

Das Tolling ist das spielerische Auf-und-ab-laufen des Lockhundes am Ufer.  Der Jäger unterstützt hierbei seinen Hund aus dem Versteck, indem er ihm immer wieder Apportiergegenstände wie Stöcke oder Bälle wirft. Bei dieser Arbeit soll der Toller still, konzentriert und ausdauernd sein. Die Enten, die er mit seinen spielerischen Aktionen neugierig macht und immer näher ans Ufer lockt, soll er dabei völlig ignorieren. Zwischen den einzelnen Tolling-Sequenzen kommt der Toller immer wieder ins Versteck. Auch dort soll er ruhig warten.

 

Kommen wir zum letzten Namensbestandteil der Rasse – dem Retriever. Alle Retriever sind spezielle Jagdhunde, die für die Arbeit nach dem Schuss zuständig sind. Sie suchen und apportieren vor allem das geschossene Nieder- und Federwild. Retriever sollen eine gute Standruhe, Intelligenz, Ausdauer, eine gute Sozialkompetenz und Führigkeit mit sich bringen.  Die sechs im FCI registrierten Retrieverrassen gehören zur FCI-Gruppe 8, den Apportier-, Stöber- und Wasserhunden.

 

 

 Das Wesen des Tollers

 

Der Toller ist sehr gelehrig und intelligent und verfügt über eine große Ausdauer. Er ist ebenso ein verlässlicher Apportierhund sowohl an Land, als auch im Wasser. Ebenso ist er ein ausdauernder und befähigter Schwimmer. Sein hoher Spieltrieb und Apportiersinn ist unerlässlich für seine Arbeit als Lockhund und soll ihm bis ins hohe Alter erhalten bleiben. Beim kleinsten Anzeichen zu Apportieren agiert er und ist somit ein äußerst aufmerksamer Hund. Er hat seine Augen, Nase und Ohren überall und ist somit in der Lage, blitzschnell entsprechend zu reagieren. Gerne wird der Toller auch als der „Border Collie der    

                                                                                             Retriever“ bezeichnet.         

 

 

 

 

 

 

 

Auslastung des Tollers

Dieser drollige rote Hund mit frech-fröhlichem Blick ist kein Hund, der mit reinen Spaziergängen glücklich sein wird. Im Gegenteil, ein Toller ohne Aufgabe und geistiger Auslastung kann zur großen Belastung für seine Besitzer werden. Als Arbeitshund braucht er neben entsprechender Bewegung auch Kopfarbeit. Der Toller ist ein Allrounder und somit für viele Sparten gut geeignet. Als Jagd- und Apportierhund ist es vor allem seine Passion jagdlich oder alternativ dazu im Dummybereich geführt zu werden. Aber der Toller ist aufgrund seines hohen „will to please“ (also dem ständigen gefallen wollen) beispielsweise auch sehr gut  im Obedience führbar. Rettungshundearbeit und Agility erfreuen sich aber ebenso großer Beliebtheit und auch dort macht der Toller eine gute Figur. Wichtig ist eben nur, dass mit dem Toller gearbeitet wird.

 

 

 

 

 


 

 

 

 

Äußeres Erscheinungsbild

Er ist ein mittelgroßer, kompakter Hund mit guter Muskulatur und einer mittleren bis kräftigen Knochensubstanz. Seine Augen sollen mandelförmig und von mittlerer Größe sein. Farblich sollten die Augen harmonisch zu Nasen- und Fellfarbe sein und können von bernsteinfarben bis dunklem braun variieren. Auch die Nasenfarbe sollte zum Haarkleid passen und kann fleischfarben, bräunlich bis schwarz sein. Lefzen, Augenränder und Nase sollen farblich übereinstimmen. Das Fell hat eine dicke weiche Unterwolle. Es ist ein doppeltes wasserabweisendes mittellanges Haarkleid mit Farben von orange-rot bis sattem dunkleren rot. Weiterhin können an Rutenspitze, Pfoten, Brust und Blesse weiße Abzeichen vorhanden sein.

Ein ausgewachsener Rüde sollte 48-51 cm mit 20-23 kg haben und eine Hündin 45-48 cm mit 17-20kg. Leichte Abweichungen sind jedoch erlaubt.

 

 

Gesundheit des Tollers

Der Toller ist ein robuster wetterfester Hund, der nicht mehr oder weniger krank werden kann als andere Rassen. Es gibt einige Erbkrankheiten, wie sie auch bei anderen Hunden auftreten können. Mittlerweile gibt es aber viele Gentests und Untersuchungsmöglichkeiten, die teilweise auch Voraussetzung für eine Zuchtzulassung sind.

Die PRA (progressive Retinaatrophie) ist eine Netzhautrückbildung, die zur Erblindung führen kann. Beide Zuchthunde müssen vor der Verpaarung im DRC auf diese Erbkrankheit getestet worden sein, sofern sie nicht bereits frei über den Erbgang durch PRA-freie Elterntiere sind. „Träger“- Hunde erkranken nicht. Nur aus einer Verpaarung zweier „Träger“-Hunde könnten überhaupt erst kranke Welpen geboren werden (autosomal-rezessiver Erbgang).

Die CEA (Collie Eye Anomaly) ist eine Veränderung der Netzhaut bzw. des Augenhintergrundes. Die CEA wird autosomal-rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass ein Hund nur erkrankt, wenn er je ein betroffenes Gen von Vater und Mutter erhalten hat.

Da aber bei den Zuchthunden eine gültige Augenuntersuchung vorliegen muss und nachweislich klinisch erkrankte Hunde von der Zucht ausgeschlossen sind, können die Augenkrankheiten weitestgehend züchterisch eingedämmt werden.

Erkrankungen des Bewegungsapparates wie HD (Hüftgelenksdysplasie) und ED (Ellenbogendysplasie) stellen beim Toller kein  großes Problem dar. Der Befund wird durch Röntgenaufnahmen in Narkose dokumentiert. Eingeteilt werden dabei die Ergebnisse von A-E, wobei eine A-Hüfte bedeutet, dass der Hund frei (also gesund ist) und eine C-Hüfte eine leichte Form der HD ist, die i.d.R. keine Probleme verursacht. Es dürfen im DRC nur Hunde mit einer A oder B Hüfte ohne Auflage miteinander verpaart werden. Wenn ein Hund eine C Hüfte hat, muss sein Deckpartner eine A oder B Hüfte haben. Eine C oder schlechtere Hüfte kommt beim Toller aber nicht sehr häufig vor. Die Ellenbogendysplasie ist beim Toller noch seltener, als eine Hüftgelenksdysplasie. Wenn jedoch der Hund unter einer ED leidet, ist das für den Hund i.d.R. problematischer als eine HD, da in der Vorhand eine deutlich höhere Belastung liegt als in der Hinterhand. Unterteilt wird die ED in Grade von 0-3 (0=frei, 1=leichte ED, 2 = mittlere ED und 3= schwere ED). HD und ED sind in ihrer Vererbung an mehrere Gene gekoppelt. Deshalb kann man nicht sagen, dass bei einer Verpaarung von Hunden, die beispielsweise beide eine A Hüfte haben (also HD frei sind), nur Hunde mit A Hüften geboren werden.

Bei der SRMA (steroid-responsive Meningitis-Arteriitis) handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem greift die Hirn- und Rückemmarkshäute
an, was zu einer Entzündung führt. Sie tritt meist zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 2. Lebensjahr auf. Typische Anzeichen sind starke Schmerzen im Halswirbelsäulenbereich und Kopf, plötzliches hohes Fieber, steifer Gang, die Hunde wirken ihrer Lebensenergie beraubt und lassen sich ungern anfassen, da es ihnen stark unangenehm ist. Leider ist noch nicht eindeutig geklärt, ob diese Krankheit vererbbar ist und durch was sie ausgelöst wird. Die Diagnose erfolgt neben der Blutuntersuchung auch über eine Liquorentnahme.
Bei frühzeitiger Diagnose ist diese Krankheit aber in den meisten Fällen gut therapierbar. Die Behandlung erfolgt im Allgemeinen durch eine Langzeit- (mind. Sechs Monate) Therapie mit Kortisonpräparaten (z.B. Prednisolon).


 

 

 

Den FCI-Rassestandard könnt ihr auf der Seite des DRC nachlesen:

 

http://www.drc.de/retrieverrassen/nova-scotia-duck-tolling-retriever/beschreibung